Das haben wir immer schon so gemacht! Der wohl teuerste Satz in Unternehmen.

Kaum ein Satz kostet Unternehmen mehr Geld als dieser. Viele von uns haben diese Killerphrase schon häufig in Büros und Meetingräumen gehört. Er steht für Ablehnung des Neuen und Suhlen in dem Altbewährten – er steht für „Ich verändere mich nicht“ und „Alles bleibt wie es ist“.

Wie oft habe ich selbst diesen Satz schon gehört. Meine Reaktionen: innerliches Augenverrollen, die Antwort „Na, dann sollten wir es JETZT vielleicht mal anders machen?“ bis hin zu absolutem Unverständnis über dieses innerliche Sperren und aufkommendem Ärger.

Wer immer macht, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist. [Henry Ford]

Warum ich glaube, dass dieser Satz Unternehmen teuer zu stehen kommt?

  • Weil er Mitarbeiter/innen zurückhält, die etwas bewegen wollen, die veränderungswillig sind, mutig neue Wege gehen wollen, experimentieren und über den Tellerrand schauen. Sie werden entschleunigt, ausgebremst und demotiviert. Das Feuer erlischt nach einiger Zeit.
  • Weil dieser Satz Unternehmen und Organisationen daran hindert, sich in dieser rasant bewegenden Welt weiterzuentwickeln und ihr volles unternehmerisches Potential auszuschöpfen.
  • Weil er einfach der Weg des „geringsten Widerstandes“ und damit der einfachste Weg ist – aber nicht der Richtige ist.

Wir befinden uns in einem digitalen Wandel wie nie zuvor. Alles verändert sich in rasender Geschwindigkeit. Dennoch stehen wir uns selbst, unser eigenes Denken uns dabei manchmal im Weg. Wir wollen krampfhaft Festhalten an Altbewährtem, weil wir uns damit auskennen. Weil wir so fest in unseren alten Gewohnheiten und bestehenden Denkstrukturen verwurzelt sind, fällt es uns schwer, aus diesem Muster auszubrechen und uns vorzustellen, dass es auch anders, vielleicht sogar besser gehen könnte. Gemäß dem Motto „Don’t change a running system.“ dreht sich die Mühle weiter und wir folgen unserem Trott, der ja auch gut funktioniert.

Die Frage ist: wie lange noch und zu welchen Preis?

Was bedeutet eigentlich dieses „immer“?

„Immer machst du…“, „nie hörst du…“, „ständig sagst du“… – wie wir doch diese pauschalen Verallgemeinerungen lieben. Sie eignen sich hervorragend als Totschläger und lassen keinen Raum.

Zack. Boom. Ende.

Dabei handelt es sich bei den meisten Aussagen selten um unumstößliche Naturgesetze. Irgendwie ist es aber so in unserem Kopf, weil es eben „immer so war“, weil es eben „immer funktioniert hat“ und weil wir es vielleicht „nie in Frage gestellt“ haben – bis jetzt.

Oft hilft es uns, einen Schritt zurücktreten, die Dinge aus einer gewissen Perspektive zu betrachten und dann: Huch, das muss ja vielleicht gar nicht so sein.

  • Vielleicht war es ja doch einmal anders?
  • Möglicherweise ist es eine gute Idee, es doch mal anders zu machen?
  • Was wäre alles möglich, wenn wir es doch mal anders machen?

Das Auto hat keine Zukunft,
ich setze aufs Pferd.
[Kaiser Wilhelm II. 1905]

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die großen Denker, Macher, Visionäre alle eines gemein hatten: sie haben Dinge anders gemacht.

Weil ich der Überzeugung bin, dass diese „Verhinderer“ Menschen und Unternehmen in Ihren Möglichkeiten ausbremsen, möchte ich dir die häufigen Totschlagargumenten vorstellen und wie du die aushebelst.

Totschlagargumente haben ihre Wirkung. Leider.

Das Praktische an Totschlagargumenten: sie gehen eigentlich gar nicht auf das Thema der Diskussion ein, man kann sie aber herrlich in fast jeder Situation einsetzen. Ihrem Namen machen sie alle Ehre: Totschlagargumente sind tatsächlich tödlich – besonders für Unternehmen, in denen großes Potential schlummert. Neue, innovative Ideen haben es schwer sich durchzusetzen, wenn sie mit einem abschmetterndem Totschlagargument einfach vom Tisch gewischt werden und die Beteiligten müde werden.

Bye bye Weiterentwicklung.

Bitte nicht stören

Wie erkenne Killerphrasen?

Ein Totschlagargument geht also nicht auf die Aussage oder den konkreten Vorschlag ein. Es behauptet vielmehr, dass es sinnlos ist, überhaupt darüber nachzudenken, alles wird im Keim erstickt.

Was hilft, ist smartes Kontern und Gegenfragen stellen. Wer sich von einem Totschlagargument mundtot machen lässt, schenkt seinem Gegenüber den Triumph, ohne dass er/sie auch nur ein sinnvolles Argument liefern musste. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip.

Der Beharrliche – beruht sich auf Altbewährtem

  • Das haben wir schon längst ausprobiert, das geht nicht.
  • Es läuft doch. Warum willst du was ändern?
  • Das haben wir noch nie so gemacht.
  • Bisher sind wir immer gut klargekommen.

Autorität wird eingesetzt – und wirkt

  • Du hast wohl nicht zugehört: Das funktioniert so nicht.
  • Was willst du mir schon erzählen?
  • Meinst du, du bist der/die erste, der/die das probiert?
  • Du bist ja erst seit Kurzem dabei, da kannst du gar nicht mitreden.

Der Besserwisser – weiß Bescheid

  • Wenn du ausreichend Erfahrung hättest, würdest du sehen, dass das nicht funktioniert.
  • Ich weiß schon genau, wie das wieder endet.
  • Das hatten wir schon hundertmal.
  • Das wird eh nicht eh nicht funktionieren.

Der Bedenkenträger – und was ist, wenn…

  • Wenn das so wäre, hätten wir es ja schon längst gemacht.
  • Dafür haben wir nicht genug Zeit momentan.
  • So groß sind wir nicht, dass das bei uns funktionieren kann.
  • Das ist nichts für uns.
  • Damit sind schon ganz andere gescheitert.

Es wird vertagt auf den Sankt Nimmerleinstag

  • Das können wir ein anderes Mal machen (also nie).
  • Das muss jetzt aber schnell gehen und so wissen wir, wie es geht.
  • Wir sind einfach noch nicht soweit.
  • Darum kümmern wir uns mal, wenn wir Zeit haben.

Der Angriff – Mit Kanonen auf Spatzen

  • Das ist ja mal wieder typisch für…
  • Typisch …Frau
  • Typisch…Mann
  • Typisch…Vertriebler
  • Das ist doch ein ganz alter Hut.

Diese Techniken helfen gegen Totschlagargumente

Die richtigen Fragen stellen

Wer fragt, der führt. Fragen sind ein mächtiges Mittel in einer hitzigen Runde: Mit ihnen zwingen Sie Ihr Gegenüber, sich zu erklären, die Sache konkreter zu erläutern:

Totschlagargument: Das ist jetzt ein schlechter Zeitpunkt. 
Antwort: Warum genau ist der jetzige Zeitpunkt schlecht? Wann genau wäre der Zeitpunkt denn besser für dich?

Totschlagargument: Wenn das ginge, hätte es schon jemand gemacht.
Antwort: Wissen wir denn wirklich etwas darüber, dass das schon mal jemand so gemacht hat und Erfolg hatte? Wenn ja, wie ist er denn vorgegangen dabei?

Totschlagargument: Das haben wir schon ausprobiert, das geht so nicht.
Antwort: Wie seid ihr denn da vorgegangen, was genau habt ihr unternommen? Warum hast du Sorge, dass es dieses Mal nicht klappen kann? Hättest du eine Idee, was wie dieses Mal anders machen könnten?

Totschlagargument: Bislang sind wir doch auch ohne dies oder das ganz gut zurechtgekommen.
Antwort:: Heißt das, dass immer alles so bleiben muss, wie es jetzt ist? Bedeutet das, dass sich niemals etwas ändern darf?

Totschlagargument: Die Idee ist uralt.
Antwort: Ja, und? Ist sie damit automatisch schlecht? Möglicherweise sollten wir die diesmal anders beleuchten und verfolgen.

Widersprechen – und gute Argumente liefern

Totschlagargument: Das ist jetzt ein ganz schlechter Zeitpunkt. 
Antwort: Wann genau ist denn der richtige Zeitpunkt aus deiner Sicht? Der Zeitpunkt jetzt ist optimal, weil …

Totschlagargument: Das haben wir schon ausprobiert, das geht so nicht.
Antwort: Damals haben wir das so und so gemacht. Mein Vorschlag sieht jetzt soundso aus…

Totschlagargument: Wenn das ginge, hätte es schon jemand gemacht.
Antwort: Ford hatte Erfolg mit seinen Autos, obwohl niemand dran geglaubt hat. Irgendwer muss immer der erste sein. Wie wäre es, wenn wir es sind?

Zustimmen – Menschen haben gern recht

Damit kannst du wirklich überraschen: Man stimmt dem Totschlagargument zunächst zu.

Totschlagargument: Die Idee ist uralt.
Antwort: Stimmt, da hast du recht, die Idee ist uralt. Das macht sie aber nicht automatisch schlecht. Bei der Umsetzung können wir ja dies und das mit berücksichtigen…

Totschlagargument: Das können wir so aber ja nicht machen, das ist viel zu teuer.
Antwort: Stimmt, das wird richtig teuer. Lasst uns mal versuchen, ohne Barrieren im Kopf nachzudenken, wie wir das umsetzen könnten. Und mal Hand auf Herz: unsere Preispolitik erfordert ein entsprechendes Qualitätslevel für unsere Kunden.

In die Offensive gehen

Mache deinem Gegenüber klar, dass er/sie gerade die Sachebene verlässt und dies nicht zielführend ist. Führe zurück zum eigentliche Thema.

Totschlagargument: Das ist typisch für dich, jedes Mal…
Antwort: Ich bitte dich darum, Persönliches hier raus zu lassen und Dinge zu verallgemeinern. Ich möchte über unser Thema x sprechen, weil es mir ein echtes Anliegen ist.

Totschlagargument: Du hast wohl nicht zugehört: Das läuft so nicht.
Antwort: Da täuscht du dich, ich habe gute Ohren und habe alles richtig vernommen. Ich beurteile die Sache einfach anders. Aus meiner Sicht…

Totschlagargument: Nochmal – das hat so keinen Sinn.
Antwort: Ich bin der festen Überzeugung, das kann uns in dem Bereich x weiterhelfen, unsere Prozess maßgeblich zu verschlanken. Warum, möchte ich dir gern mal an meinem Beispiel y erklären.

Kommen dir einige dieser Killerphrasen bekannt vor?

Ich hoffe, Sie helfen dir dabei, beim nächsten Mal so einen „Totschläger“ in eine andere Richtung zu lenken sowie Möglichkeiten und Raum für neue Ideen zu schaffen.

Und die Moral von der Geschicht’…

Animiere Kollegen/Kolleginnen oder Vorgesetze, die Prozesse in einem Bereich oder im Unternehmen mal genauer zu beleuchten – die Vogelperspektive einzunehmen. Schau mal genauer hin. Welche Abläufe, Tools, Hardware, Software, Vorgehensweisen, die schon lange so bestehen dienen – welche sind eher hinderlich?

  • Gibt es dafür einen sinnvollen Grund, der zum Ziel führt?
  • Kann man es nicht noch viel effektiver, zielführender, schneller, kostengünstiger, pragmatischer, effektiver lösen?
  • Wo stehen wir innovativen Entwicklungen im Weg, weil wir es eben „immer schon so“ gemacht haben?

Und wer weiß, vielleicht kommt der ein oder andere ins Grübeln.

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In meinen Artikeln teile ich meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken rund ums Reisen und Leben. Es ist nicht „die eine Wahrheit“ – sondern „meine Wahrheit“. Sie kommen von Herzen einer Reiseverrückten und Lebensverliebten. Schreiben hat mich mein ganzes Leben schon begleitet und mir geholfen, Dinge für mich zu ordnen.

Ich denke, die „ganze Wahrheit“ erfahren wir, wenn wir einfach unseren Weg gehen und dem Leben vertrauen. Ich möchte dich mit meinem travel, life & soul Blog inspirieren und animieren, dich aus deiner Komfortzone heraus zu bewegen, das Leben aus neuen Perspektiven zu betrachten und jeden Tag neu zu wachsen.

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LOVE LIFE & BE YOURSELF
Deine Julia

Kommentare (4)

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    Silke Jacobsen

    Herrlich dein Bericht… Bullshit Bingo oder wie man sich trotz geiler Ausreden stetig entwickeln kann 😅 liebe Grüße und danke für die Tipps

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      travelchameleon

      Sehr gern, liebe Silke. Freut mich, dass er dir gefällt! Um Ausreden sind wir tatsächlich selten verlegen ;-). Eines ist sicher: Komfortzonen verlassen ist zwar echt anstrengend, das Ergebnis beschert uns aber ein Leuchten in den Augen.

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    Peter Bordych

    Die aufgeführten Argumente gegen die Statements der „Ewig-Beharrenden“ sind teilweise frisch und kreativ und auch überzeugend. Ich kenne viele von solchen „Totschlag-Argumenten“, da ich als Software-Entwickler in erster Linie innovativ ausgerichtet bin und denke, nichts ist fataler, als sich in seiner Schildburg zu verschanzen und versuchen, Neuerungen auszusitzen. Meine Denke kommt dann meist auf den schönen Satz zurück „wenn man etwas will, findet man Wege; wenn man etwas nicht will, Gründe“. Ich finde aber auch einen kontroversen Gesichtspunkt, den ich dir vorlegen will: leider treffe ich auch immer wieder auf eine hysterische Innovations-Manie, hervorgerufen durch das bedrohliche Gefühl, von den Mitbewerbern auf dem Markt überholt oder gar verdrängt zu werden, wenn man „sich nicht sofort und kompromislos modernisiert“ – und man starrt dabei ängstlich auf die Themen DPA und RPA (sorry: Digitale Prozess-Automatisierung und Robotgesteuerte PA). Dabei geschieht es leider oft, dass vermeintlich produktive Allheilmittel (neue Software, neue Hardware, externes Pozess- und Projekt-Knowhow) eingekauft werden, ohne dass mit den erfahrenen KollegInnen der Technik und IT Rücksprache gehalten wird (meist, weil diese insgeheim dem Vorurteil unterliegen, „rückwärts“ gewandt zu sein: ein Irrtum, weil Skepsis aus rationalen Gründen mit Verweigerunshaltung verwechselt werden, denn IT’ler sind aus existenziellen und intrinsischen Gründen per se daran interessiert, up to date zu sein). Die Folgen sind zerschlagene Prozessketten, Outsorcing vitaler Aufgabenbereiche und Migration zu unangepassten bzw. unanpassbaren Softwarelösungen (Probleme, die mühsam durch Technik und IT im Nachgang repariert werden müssen). Auch hierfür habe ich bedauerliche Beispiele erfahren, denn „never change a running system“ ist manchmal die angemessenere Strategie (können doch viele Inhouse-Lösungen modifiziert und fit gemacht bzw. gehalten werden). Leider werden Bedenken, die sich einem irrationalen Digitalisierungs- und Automatisierungswillen entgegenstellen, auch mit Hilfe der von dir aufgelisteten rationalen Argumente eloquent nieder diskutiert worden. Ich persönlich habe kaum einen rhetorisch so weit aufgerüsteten ITler gesehen, der es mit einem beredten externen „Berater“ aufnehmen konnte. 🙂

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      travelchameleon

      Danke – lieber Peter – für die wertvolle Ergänzung. Ich bin sehr froh, dass ich nicht die Einzige bin, die sich über solche Themen Gedanken macht. Mir gefällt deine Erklärung der „hysterischen Innovations-Manie“, die mit Sicherheit kein Allheilmittel ist. Meine Erfahrung bei Veränderungsprozessen ist auch, dass oft hin geschaut wird, was wir zusätzlich brauchen, anstatt zu schauen „was kann bleiben“ oder ggf. auch „was können wir weglassen“.

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